Die Cäcilien-Brücke kränkelt
Montag mittag kam ich an der Cäcilienbrücke vorbei die gerade gehoben war. An dem Gitter, das dazu dient, die Passanten davon abzuhalten, allzu nahe an das Wasser heranzutreten, baumelte ein Schildchen mit der Aufschrift: „1 Stunde gesperrt. – Umleitung dort.“
„Nun,“ dachte ich, „dazu ist es ja eine Hubbrücke, daß sie zuweilen gehoben wird“, und ging weiter.
Abends mußte ich wieder über die Brücke. Sie war aber leider noch immer gesperrt, aber das Schule „1 Stunde gesperrt“ hatte eine kleine Aenderung erfahren, die „1“ war nämlich mit einem Stück Papier überklebt; diese „1 Stunde“ wäre sonst auch reichlich lang gewesen. – Schiffe waren außer einem kleinen Ruderboot auf dem Kanal nicht zu sehen, was mochte wohl die Ursache sein, daß die Brücke so lange oben blieb? – Allem Anschein nach „stimte“ etwas nicht, und übrigens wurde lebhaft an der Brücke gearbeitet. Von einem Arbeiter erfuhr ich so „hinten herum“, die Brücke sei morgens gehoben worden, um einige Schiffchen hindurchzulassen. Nachher habe sie sich aber entschieden geweigert, wieder herunterzukommen, mit dem Effekt, daß Kraftwagen und Autobusse den großen Umweg über die Amalienbrücke machen mußten.Am Montag wurde während des ganzen Tages fieberhaft an der Brücke gearbeitet, leider konnte der Fehler erst nach langem Suchen entdeckt werden. Ein Lagerring in einem der Türme hatte das Zeitliche gesegnet!
Am Dienstag war man glücklich wieder so weit, daß die Brücke heruntergelassen werden konnte, wenn auch zuweilen noch an ihr herumprobiert wurde.
Man weiß noch nicht, ob es sich bei diesem Versagen der Brücke um einen Fabrikationsfehler oder um eine „Kinderkrankheit“ handelt, aber „Deutschlands grüßte Hubbrücke“ sollte Gewicht darauf legen, auch die „gesündeste“ zu sein!
Oldenburgische Landeszeitung, Nr. 61, 1. März 1928
Die heutige Brücke hat das Baujahr 1927!
Kategorien
Suche
-
Neueste Beiträge